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"Ohne Insekten fehlt einem was!"

Tagung des NABU NRW im Institut für Landschaftsökologie

"Liebe Menschen, denen die Natur am Herzen liegt und die mit Sorge den fortschreitenden Insektenschwund beobachten!" Mit dieser Grußformel von Prof. Dr. Tillmann Buttschard, geschäftsführender Direktor des Institutes für Landschaftsökologie (ILÖK) der Westfälischen Wilhelms-Universität, durfte sich wohl jeder der ca. 250 Teilnehmer der Tagung zum Insektensterben im Hörsaal des ILÖK am vergangenen Samstag, den 17. Februar, angesprochen gefühlt haben. Der NABU NRW hatte namhafte Experten aus Forschung, Naturschutz, Landwirtschaft und Industrie eingeladen, über aktuelle Forschungen zu informieren und mögliche Gegenstrategien mit allen relevanten Gruppen zu diskutieren.

2017 hat das "Insektensterben" einen weltweiten medialen Hype erfahren. Korrekt sprechen wir von einem massiven Insektenrückgang, den der Entomologische Verein Krefeld in den vergangenen 27 Jahren mit standardisierten Fallenfängen überwiegend in NRW feststellen konnte und publiziert hat. Schon heute kann man sagen, dass diese Thematik in der Politik auf allen Ebenen angekommen ist.

In seinem einleitenden Grußwort stellte Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann, der kurzfristig für die erkrankte Ministerin Christina Schulze Föcking eingesprungen war, die Tätigkeitsfelder des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, in den Vordergrund, dessen Abteilungen wesentliche Akteure umfasse. "Ohne Insekten und Vögel fehlt einem was!", fasste Dr. Bottermann Erfahrungen aus seinem persönlichen Umfeld zusammen und verwies auf die bereits vom Land Nordrhein-Westfalen eingeleiteten Maßnahmen zu einem NRW-weiten Insektenmonitoring, bei dem auf 120 repräsentativ ausgewählten Probeflächen die Biomasse von fliegenden, blütenbestäubenden Insekten untersucht werden wird.

Im Anschluss gaben Dr. Martin Sorg vom Krefelder Entomologischen Verein und Prof. Dr. Christoph Scherber vom ILÖK einen aktuellen Überblick über die besorgniserregenden Kenntnisse zum Insektenrückgang. Spannend wurde es am Nachmittag, als mit Dr. Christian Maus von der Bayer AG und dem Vizepräsidenten des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes Erich Gussen zwei Akteure auftraten, die mutmaßliche Hauptverursacher der Misere repräsentieren. Auch wenn sie die alleinige Verantwortung für den Rückgang der Insekten von sich wiesen und weitere Ursachen und Forschungsbedarf ins Spiel brachten, so war doch erkennbar, dass beide Redner die Existenz des Artenschwundes anerkannten und glaubhaft an einer Kooperation zur Lösung der Probleme interessiert sind.

Der NABU-Landesvorsitzende Josef Tumbrinck, der die Tagung gemeinsam mit dem Institut für Landschaftsökologie und der Natur- und Umweltschutzakademie (NUA) NRW organisiert hatte und souverän moderierte, fasste die Ergebnisse des Tages im "Münsteraner Appell" zusammen, der alle Beteiligten auffordert, unverzüglich die geeigneten Maßnahmen zum Aufhalten des Insektenrückganges einzuleiten:

  • So müsse auf EU-Ebene der Rückgang der biologischen Vielfalt in Agrarräumen gestoppt werden. Dazu sei ein grundlegendes Umsteuern in der Agrarpolitik notwendig, das Prinzip „Wachse oder weiche“ müsse beendet und Fördergelder stärker an den Naturschutz gekoppelt werden, etwa mithilfe eines neuen EU-Naturschutzfonds in Höhe von 15 Milliarden Euro. Eine Prämie für naturnahe nicht-produktive landwirtschaftliche Betriebsanteile müsse eingeführt werden. Zudem sei ein absolutes Pestizidverbot auf Ökologischen Vorrangflächen, Gewässerrandstreifen und im Nahbereich von naturschutzfachlich hochwertigen Kleinlebensräumen wie Hecken oder Blühstreifen erforderlich. Auch eine Änderung der europäischen Pflanzenschutzgesetzgebung sei zwingend notwendig.

  • Auf Bundesebene müsse das Bundesprogramm Biologische Vielfalt auf 50 Millionen Euro erhöht und ein langfristiges bundesweites Insektenmonitoring aufgebaut werden. „Unser Wissen über die Lebensweise der in Deutschland vorkommenden circa 33.000 Insektenarten ist erschreckend gering“, sagte Tumbrinck. Deswegen sei neben Monitoringprojekten im Biodiversitätsbereich umgehend  eine intensive Grundlagenforschung zu etablieren und zu finanzieren. Um die Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Handlungserfordernisse abgeschlossener, laufender und in Planung befindlicher Monitoringprojekte bündeln zu können, sei zudem die Einrichtung eines ausreichend finanzierten „Deutschen Zentrums für Biodiversitätsmonitoring“ in Trägerschaft von Wissenschaftseinrichtungen unerlässlich.

  • Grundsätzlich müsse der Einsatz von Pestiziden in der Fläche reduziert werden. Zu erreichen sei dies durch die Verankerung eines generellen Minimierungsgebotes im deutschen Pflanzenschutzrecht, die grundsätzliche Etablierung des Integrierten Pflanzen­schutzes sowie die verstärkte Förderung der ökologischen Landwirtschaft und die Verbesse­rung unabhängiger Beratung. Zudem müsse der Einsatz von Pestiziden in Naturschutz- und Natura 2000-Gebieten, Pflegezonen von Biosphärenreservaten sowie Nationalparken und Streuobstwiesen generell verboten werden, ebenso im Haus- und Kleingartenbereich sowie auf kommunalen Flächen.

  • Tumbrinck: “Unabhängig von der EU-Agrarreform müssen Bund und Länder jetzt schon dringend alle verfügbaren Spielräume der aktuellen Fördermöglichkeiten zum Schutz der Artenvielfalt in der Landwirtschaft nutzen.“  Zukünftig müsse zudem ein funktionierender Vollzug der novellierten Umwelt- und Pflanzenschutzgesetze durch eine personelle Aufstockung in den diesbezüglichen Behörden sichergestellt sein.

  • Auch in der Forschung müsse sich einiges tun. Es müsse die ökologische, umweltchemische und ökotoxikologische Ausbildung in Verbindung mit naturschutzfachlichen Ansätzen an deutschen Hochschulen dringend verbessert werden. Viele Studiengänge, die sich diesen Wissenschaftsdisziplinen widmeten, seien vor einigen Jahren geschlossen worden.

Der Insektenschwund ist Fakt - jetzt gilt es zu handeln.

 




Wollen das Insektensterben aufhalten (von links): Josef Tumbrinck (Vorsitzender NABU NRW), Prof. Dr. Tillmann Buttschard (geschäftsführender Direktor Institut für Landschaftsökologie ILÖK), Dr. Heinrich Bottermann (Staatssekretär im NRW-Umweltministerium) und Prof. Dr. Christoph Scherber (ILÖK)




Die Teilnehmer im fast bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaal des ILÖK lauschten zahlreichen namhaften Referenten - hier Gerhard Brechmann von der Hof Brechmann-Stiftung

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