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NSG Venne wird eines der ersten fünf genetischen Erhaltungsgebiete für Wildsellerie

Feierliche Urkundenübergabe beim Julius-Kühn-Institut in Quedlingburg

7. Juni 2019 - Historischer Moment: Das NSG "Venne" bei Warendorf-Milte wird eines der ersten fünf genetischen Erhaltungsgebiete für Wildsellerie. Der Startschuss für des neue deutsches Netzwerk genetischer Erhaltungsgebiete für Wildsellerie fiel am 4.6. auf der Tagung am Julius Kühn-Institut (JKI) Quedlinburg im Rahmen einer feierlichen Urkundenübergabe für die ersten fünf Gebiete, 40 weitere werden hinzukommen. Für die NABU-Naturschutzstation Münsterland, die das Gebiet in Zusammenarbeit mit dem Kreis Warendorf entwickelt hat und seitdem regelmäßige Pflegemaßnahmen durchführt, nahm Dr. Thomas Hövelmann die Urkunde entgegen.

Auf der Grundlage eines Pflege- und Entwicklungsplanes der NABU-Naturschutzstation Münsterland hatte der Kreis Warendorf 2011 den aufgewachsenen Erlenwald entfernt, den Oberboden abgeschoben und mehrere Kleingewässer angelegt. In dem wieder ertüchtigten Heideweiher-Gebiet entwickelte sich in wenigen Jahren eine artenreiche Vegetation mit fast 30 z.T. hochgradig gefährdeten Pflanzenarten der Roten Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen in NRW, darunter der sehr seltene Flutende Sellerie (Helosciadium inundatum). Die regelmäßige Pflegemaßnahmen mit ehrenamtlichen Helfern wird das Offenhalten der Fläche gewährleistet.

In Deutschland wachsen viele Wildpflanzenarten, die mit unseren Kulturpflanzen verwandt sind. In ihnen schlummern Gene, die morgen für die züchterische Verbesserung unserer Nahrungspflanzen relevant werden könnten. Genau aus diesem Grunde sind sie schützenswert. Zudem ist der Erhalt der Artenvielfalt per se ein wichtiges gesellschaftliches Ziel. Deshalb sei es nur folgerichtig, dass Naturschutz und Landwirtschaft beim Erhalt dieser genetischen Ressourcen zusammenarbeiten, betonte Dr. Eva Ursula Müller vom BMEL in ihrem Grußwort an die Teilnehmer der Tagung, die gestern (4.6.) am Julius Kühn-Institut in Quedlinburg begann. Die Tagung ist gleichzeitig der Startschuss für das erste Netzwerk genetischer Erhaltungsgebiete, das Netzwerk Wildsellerie. Mit der Einrichtung dieses ersten Netzwerks ist Deutschland Vorreiter in Europa. Der Sellerie ist seinerseits Vorreiter für weitere Erhaltungsnetzwerke, etwa für die Wildrebe.

In den vergangenen drei Jahren untersuchten Forschungsteams des Julius Kühn-Instituts, der Universität Osnabrück und der Humboldt-Universität zu Berlin im Projekt „GE-Sell“ die genetische Vielfalt von Wildsellerievorkommen in Deutschland. Sie fanden 55 Pflanzenbestände, die in ihrer Gesamtheit die Formenvielfalt der Wildselleriearten repräsentieren. 45 dieser Pflanzenbestände bilden nun das Netzwerk genetischer Erhaltungsgebiete Wildsellerie (https://netzwerk-wildsellerie.julius-kuehn.de/). „So wird sichergestellt, dass die innerartliche Vielfalt bewahrt wird“, sagt Projektleiter Dr. Lothar Frese vom JKI. Die natürlichen Habitate, in denen die Wildselleriearten vorkommen, befinden sich oft in ausgewiesenen Naturschutzgebieten oder auf Privatbesitz. „Daher war es für das Gelingen des Unterfangens essenziell, die Akteure vor Ort mit einzubeziehen, sie für die Einzigartigkeit des Vorkommens zu sensibilisieren und als Partner zu gewinnen,“ erklärt Dr. Frese.

Um diese Partnerschaften vor Ort zu würdigen, wurden im feierlichen Rahmen der Tagung für die Einrichtung der ersten fünf genetischen Erhaltungsgebiete Urkunden an die Betreuer der Gebiete übergeben. Die Vorkommen liegen bei Sülldorf in Sachsen-Anhalt, an der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, im niedersächsischen Entenfang bei Celle, am Hohennauener See in Brandenburg und im NSG „Venne“ im Münsterland. Die Partner, wie etwa NABU-Gruppen pflegen die Habitate und haben ein Auge darauf, dass es den „Wilden“ bei ihnen weiterhin gut geht. Genetische Erhaltungsgebiete sind ein Modul, mit dem Landwirtschaft und Naturschutz zusammen Wildpflanzen in situ erhalten können.




Dr. Thomas Hövelmann erhielt die Urkunde im Namen der NABU-Naturschutzstation Münsterland für das genetische Erhaltungsgebiet NSG "Venne" bei Warendorf-Milte (Foto: Kühn/JKI)




Mit einem Poster im Rahmen der begleitenden zweitägigen Fachtagung präsentierte Dr. Thomas Hövelmann die Entwicklung des NSG "Venne" und das Monitoring der Vorkommen des Flutenden Sellerie (Helosciadium inundatum); Foto: Dr. Walter Bleeker

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