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NABU-Naturschutzstation Münsterland e.V.
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Beliebt und doch bedroht

Otter müssen auf der ganzen Welt um ihr Überleben kämpfen

22. Mai 2020 - Klever, verspielt und bei vielen Menschen sehr beliebt, das sind Otter. Doch weltweit sind diese besonderen Tiere bedroht. Sei es der heimische Europäische Fischotter, die im Allwetterzoo Münster lebendenden Zwergotter, die eigentlich in Asien beheimatet sind oder jede andere der insgesamt dreizehn Arten, die es weltweit gibt.

Otter gibt es nahezu überall und fehlen lediglich in Australien und auf entlegenen Inseln. Sie leben hauptsächlich am Wasser, sind exzellente Schwimmer und Taucher und haben alle Arten von Binnengewässern und sogar felsige Seeküsten besiedelt. „Auch hier bei uns im Münsterland leben Fischotter. Dabei handelt es sich um den Europäischen Fischotter, der sich erst seit wenigen Jahren hier wieder heimisch fühlt“, sagt Christian Göcking, Mitarbeiter in der NABU-Naturschutzstation in Münster-Hiltrup. Doch auch wenn der Fischotter im Münsterländer Landschaftsbild wieder vermehrt seine Fußspuren an den Gewässerufern hinterlässt, weder hier, noch in Europa oder sonst wo auf der Welt ist es um die Bestände gut bestellt. „Der Fischotter ist nach wie vor in der Roten Liste gefährdeter Tiere Deutschlands in NRW als vom Aussterben bedroht eingestuft.“

Eine Art kehrt zurück ins Münsterland

In Europa gibt es mit der 2001 erlassenen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) das ambitionierte Projekt, Gewässer wieder naturnah zurückzubauen und die Gewässerpflege nachhaltig zu organisieren. Doch in anderen Regionen der Welt schreitet der Ausbau, Begradigung, Trockenlegung und Versiegelung von Flächen immer weiter voran und zerstört die Lebensräume der Otter. „Die Zersiedelung der Landschaft schreitet weiter voran, durch Wohnbebauung, Industrie, Straßen und intensive Landwirtschaft gibt es nur noch wenige unzerschnittene und störungsfreie Lebensräume für den Fischotter“, sagt Christian Göcking. So ist auch eine der größten Barrieren für die Ausbreitung des Europäischen Fischotters der Straßenverkehr. Denn die Tiere haben zu ihrem Leidwesen eine Abneigung dagegen, unter Brücken hindurch zu schwimmen. „Mehr als 80 Prozent der in Deutschland tot aufgefundenen Fischotter kommen im Straßenverkehr ums Leben. Mehr als 50 Prozent der Unfälle ereignen sich im Umkreis von 100 Metern zu Gewässern oder Feuchtgebieten“, so der Direktor des LWL-Museums für Naturkunde, Dr. Jan-Ole Kriegs. Er hatte sich schon zu seiner Zeit als Kurator im Naturkundemuseum intensiv mit dem Fischotter auseinandergesetzt. „Nach der Ausrottung des Fischotters in Nordrhein-Westfalen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es in NRW für Jahrzehnte keine Otter mehr. Als dann im Jahre 2009 überraschend zwei Fischotter im Münsterland dem Straßenverkehr zum Opfer fielen, wurden Wissenschaftler hellhörig“, erinnert sich der Zoologe, der damals seit der ersten Stunden an der Dokumentation der Bestände mitwirkt. Mit Beginn dieses Jahrtausends sei viel passiert, und die Tiere sind im Kreis Coesfeld dauerhafte Gäste. „Im Kreis Steinfurt sind sie auch häufig anzutreffen. In Münster sowie im Kreis Warendorf derzeit nur vereinzelt. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie auch hier eine stabile Population gebildet haben.“ Schaffen die Tiere es doch in einer bis zu 30 Kilometer zurückzulegen.

Der Mensch als größter Feind

Der Europäische Fischotter litt vor allem durch seine Bejagung. „Umso schlimmer, dass ihm nun in Bayern wieder gezielt nachgestellt und er getötet werden darf. Völlig unnötig übrigens, denn die gefangenen Tiere könnte man auch an das "Europäische Zuchtprogramm Fischotter" abgeben, das dringend eine genetische Auffrischung durch neue Otter braucht“, erklärt Dr. Philipp Wagner. Der Kurator für Artenschutz im Allwetterzoo Münster bedauert diese Entscheidung des Freistaates sehr. „In erster Linie geht es dort um den Schutz der Fischteiche, für den eine Entnahme von Fischottern aber erwiesenermaßen sinnlos ist. Doch anders als bei Wolf oder Luchs ist der Beutegreifer hier eigentlich sehr einfach von dieser bequemen Nahrungsquelle fernzuhalten.“ So gibt es erfolgreiche Projekte, wo die Teiche mit Zäunen gegen „diebische Otter“ gesichert werden, zumal viele Teichanlagen bereits gegen Kormoran und andere Fisch fressenden Vögel gesichert sind.

Der in Deutschland heimische Fischotter benötigt im besten Fall saubere, naturnahe und fischreiche Gewässer. „Das spannende ist aber, dass Fischotter sehr anpassungsfähig zu sein scheinen. Die erhöhte Stickstoffzufuhr durch die intensive Landwirtschaft scheint dem Tier in die Karten zu spielen. Denn in Stickstoffreichen Gewässern gibt es häufig auch viele Weißfische, die wiederum auf der Speisekarte des Tieres stehen“, beschreibt Dr. Jan-Ole Kriegs eine Besonderheit. „Langfristig braucht es aber mehr naturnahe Fließgewässer, die nicht versauert, begradigt, ausgeräumt oder ausgebaut sind, wenn sich die Art weiter ausbreiten soll. Auch ist das kein Argument für ein Weiter so in der Landwirtschaft.“

Allwetterzoo setzt sich für Otter ein

Anders sieht die Situation in Südostasien aus. Im ACCB, dem Artenschutzzentrum des Allwetterzoos leben derzeit zwei Indische Otter. „Sie wurden beschlagnahmt, da sie illegal als Haustier gehalten worden waren“, nennt Dr. Philipp Wagner ein Problem der Otter. „Ihre verspielte Art, ihr Aussehen und kleine Größe machen sie vermeintlich zu einem perfekten Haustier – sehr zu ihrem Leidwesen.“ Auch ist die Verschmutzung der Gewässer für die Otterpopulationen in Süd-Ost-Asien ein großes Problem. „Neben chemischen Abwässern aus Industrieanlagen ist es in erster Linie der Plastikmüll, der die Gewässer nicht nur für die Otter, sondern vor allem auch für seine Beutetiere immer lebensfeindlicher macht.“

Im Allwetterzoo Münster lebt eine Familie Zwergotter. Ihr Name ist Programm, handelt es sich hier um die kleinste aller weltweit vorkommenden Otterarten. „Der Zwergotter besiedelt kleinere Fließ- und Stillgewässer und deren Umgebung, Reisfelder, Mangrovenwälder sowie Brack- und Süßwassersümpfe in Südostasien“, erklärt Dr. Simone Schehka, Kuratorin im Allwetterzoo Münster. „In den letzten Jahrzehnten hat das Verbreitungsgebiet des Zwergotters drastisch abgenommen. Die Art gilt daher aufgrund einer Beurteilung der IUCN aus dem Jahr 2008, letztmals überprüft 2014 als gefährdet (Rote Liste: VULNERABLE).“
Egal ob Zwergotter oder Europäischer Fischotter, die Tiere kämpfen überall mit den gleichen Problemen. „Allem voran Zerstörung der Lebensräume sowie die Gewässerverschmutzung und die damit einhergehenden Reduzierung der naturnahen und nahrungsreichen Gewässer sind ein großes Problem für die Tiere“, so Dr. Simone Schehka.

Auch die Zwergotter im Allwetterzoo werden in ihrer Heimat vermehrt als Haustier gehalten – nachdem sie in der Natur gefangen worden sind. „Zwergotter werden sehr zahm und werden deshalb in Asien, aber auch auf anderen Kontinenten, häufig als Heimtiere gehalten“, sagt Dr. Simone Schehka. „Die Entnahme der Tiere setzt die Gesamtpopulation weiter unter Druck. Zudem können einmal an den Menschen gewöhnte Tiere nicht einfach wieder ausgewildert werden.“

Überleben hängt vom Handeln der Menschen ab

Damit der Europäische Fischotter nicht nur zurückkommt, sondern auch bleibt, setzt sich der NABU seit vielen Jahren sowohl auf politischer Ebene als auch in der Arbeit seiner Gruppen vor Ort intensiv für den Erhalt der Lebensräume und Lebensgemeinschaften des Fischotters ein. „Um naturnahe Gewässer, den Lebensraum des Fischotters, zu schützen, zu erhalten und zu entwickeln, kann zum Beispiel jeder auch Fluss-Pate werden“, wirbt Christian Göcking dafür, sich aktiv für den Schutz und Erhalt des Fischotters und seines Lebensraumes einzusetzen. Zudem sei es wichtig, sich in der Natur entsprechend nachhaltig und rücksichtsvoll zu bewegen und unter anderem keinen Müll zu hinterlassen. „Es liegt an uns allen, ob die Fischotter hier im Münsterland eine gute Chance haben, langfristig wieder ein fester Bestandteil der Tierwelt zu werden. Zudem kann unser Konsumverhalten auch Einfluss auf die Otterpopulationen an jedem anderen Fleck der Erde haben.“





Ein Europäischer Fischotter (Foto: LWL-Museum für Naturkunde / Kriegs)




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