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Im Reich der Auerochsen und Wildpferde

Nach den positiven Erfahrungen von Naturschützern in unseren europäischen Nachbarländern mit dem Konzept einer ganzjährigen Beweidung durch robuste Rinder- und Pferderassen haben sich auch in Deutschland Naturschutzgruppen an die Umsetzung von Beweidungsprojekten herangewagt.

Die Weidetiere erhalten bei einem Teil der Gewässer durch Suhlen und Tritteinflüsse den Pioniercharakter.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit geringem Betreuungsaufwand lassen sich auf großer Fläche optimale Ergebnisse für artenreiche Schutzgebiete erzielen. Da bei der extensiven Ganzjahresbeweidung nicht zugefüttert und gedüngt wird, bestimmt die Zeit größter Futterknappheit im Februar/März die Tierdichte. Die Weideflächen sind daher während der Vegetationsperiode überaus strukturreich. Mit kurzen Weiderasen, wiesenähnlichen Strukturen, Hochstaudenfluren bis hin zu parkartig eingestreuten Gehölzbeständen entsteht eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume. Die Weidegebiete sind durch einen großen Blütenreichtum und den vom Dung der Rinder und Pferde lebenden Tiere besonders insektenreich. Ein besonderes Kennzeichen der sehr geringen Tierdichte ist die Möglichkeit, alle Lebensräume eines Landschaftsausschnittes – vom Gewässer über Röhrichte bis zu den Gehölzbeständen – in die Beweidung einzubeziehen.

Dies hat sich auch die NABU-Naturschutzstation Münsterland in drei Gebieten der Emsauen zwischen Münster und Telgte zu Nutze gemacht. „Auerochsen“ und Wildpferde werden als vierbeinige Landschaftsgestalter eingesetzt. Sie sollen auf die Schlüsselbedeutung grasfressender Wildtiere in mitteleuropäischen Ökosystemen aufmerksam machen und deren Rolle in der Emsaue ausfüllen. In die Weideflächen sind daher auch 16 Stillgewässer unterschiedlicher Gestalt und Hydrologie einbezogen. Mit einer Obergrenze der Tierdichte von 0,5 Großvieheinheiten/ha wurden hier sehr positive Erfahrungen gemacht.

Das Ergebnis für den Naturschutz begeistert seitdem zahllose Besucher. Sie können sich dem Reiz der sich ohne weiteres Zutun des Menschen unter dem Einfluss der großen Weidetiere entfaltenden Natur nicht entziehen.  

Die geringe Weidetierdichte wirkt sich sehr positiv auf die Stillgewässer aus.


Feuchte Weiden, Wasserflächen, Staudenfluren, Gebüsche und Feldgehölze wechseln kleinräumig in den Weidegebieten und schaffen günstige Landlebensraumbedingungen für den Laubfrosch.

Aufgefüllte Gewässer der Auenlandschaft wurden wieder hergestellt.Die Löffelente hat sich nach Abschluss der Bauarbeiten eingestellt und profitierte von der geringeren Störung auf den Weideflächen, da Besucher die Bullenweiden meiden. Foto: Hans GladerSeit dem Beweidungsstart in 2004 wurden jährliche Zuwächse in der Grasfroschpopulation um 300% erzielt. Die Ringelnatter profitiert davon. Foto: M. AsherSeltene Libellenart, wie die Pionoiergewässer bevorzugende Kleine Pechlibelle, werden durch die Einbeziehung der Gewässer in die Beweidung gefördert. Foto: Sebastian Sczepanski