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NABU-Schützling wird zum Frosch des Jahres

Laubfrosch bleibt im Focus der Naturschutzaktivitäten im Münsterland.

 Zu besonderen Ehren kommt der bundesweit stark gefährdete und in vielen Regionen Europas vom Aussterben bedrohte Laubfrosch in diesem Jahr: Der grüne Hüpfer wurde zum Frosch des Jahres 2008 gekürt. Seit Jahren ist er bereits im Rahmen des Artenschutzprojektes „Ein König sucht sein Reich“ im Focus des NABU in NRW. Passend zur Wahl zum Frosch des Jahres wurde nun vom NABU eine Informationskampagne gestartet.

Nicht seine für amphibische Verhältnisse hohe Attraktivität oder seine musische Begabung für die Ausrichtung von Frühlingskonzerten haben ihn jetzt in das Rampenlicht der Öffentlichkeit gebracht. Dahinter steckt vielmehr sein rapider Abstieg von einer der häufigsten Froscharten in vielen Gegenden Deutschlands zu einer der am stärksten gefährdeten Arten. Der Lebensraumverlust, die Intensivierung der Landnutzung und Gifteinsatz in der Landwirtschaft setzen ihm heftig zu: Durch die Verfüllung und Verschmutzung seiner Laichgewässer gehen seine Kinderstuben verloren, das Umbrechen von Grünland entzieht den frisch geschlüpften Froschjünglingen ihren Lebensraum und durch die schleichende Zerstörung von Hecken und Waldrändern werden die Nahrungsflächen der erwachsenen, in Bäumen lebenden Alttiere vernichtet. Auf Wiesen und Brachflächen gerät er in die Messer von Häckslern und modernen Kreiselmähern und die regelmäßigen Giftduschen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen erhöhen die Mortalität und vergiften die Kaulquappen. Machen sich die Frösche auf die Wanderung zu ihren Laichgewässern und Winterquartieren sind sie bei der Überquerung von Straßen gefährdet. Nun wird auch noch der Chytridpilz den Fröschen gefährlich. Der Mikroorganismus hat sich in den vergangenen 20 Jahren rasch in Mittel- und Südamerika ausgebreitet und dort bereits viele Froscharten und Salamander ausgerottet. Inzwischen ist er auch in Deutschland angekommen. Der Laubfrosch ist somit extremen Lebensraumverschlechterungen ausgesetzt. Er steht dabei stellvertretend für viele weitere bei uns lebende Amphibienarten, die unter ähnlichen Problemen leiden. Weltweit gehören die durch 5503 unterschiedliche Spezies auf diesem Globus vertretenen Kröten, Unken und Frösche zu den am stärksten von der Auslöschung bedrohten Artengruppen.

Die Überlebensgefahr für den Laubfrosch bewegte den NABU 1998 dazu, landesweit in NRW das Artenschutzprojekt „Ein König sucht sein Reich“ zu starten. Gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern wurde ein Schutzkonzept ausgearbeitet, mit dessen Umsetzung die Lebensräume des regional noch häufiger vorkommenden Laubfrosches geschützt, neue Biotope geschaffen und ein Lebensraumnetz gespannt werden sollte. Ein Schwerpunkt der von der NABU-Naturschutzstation Münsterland seitdem koordinierten Schutzbemühungen liegt in der Parklandschaft des Münsterlandes, doch wurden auch im Lippetal, in Ostwestfalen oder in den letzten Rückzugsräumen im Rheinland Schutzmaßnahmen umgesetzt. Nun, 10 Jahre nach dem Start des Projektes, werden die Erfolge der insgesamt im Münsterland lokal sogar schon über zwei Jahrzehnte erfolgenden Naturschutzaktivitäten für den Laubfrosch immer stärker sichtbar. Insbesondere dort, wo Grundstücke für den Naturschutz erworben und die Bedingungen für den Frosch wieder im gesamten Lebensraum verbessert werden konnten erholen sich die Bestände. Konnten zum Beispiel im Kreis Coesfeld im Jahr 1983 nur etwa 300 Laubfrösche gezählt werden, erbrachte die vom NABU organisierte Volkszählung im Jahr 2006 den Nachweis von über 2400 Tieren. War es hier die NRW-Stiftung für Naturschutz, Heimat und Kulturpflege, die mit dem Erwerb von etwa 31 ha die Grundlage für die Bestandserholung legte, trugen in anderen Naturschutzgebieten des Münsterlandes das Feuchtwiesen- und Gewässerauenschutzprogramm des Landes NRW und Flächenkäufe des NABU zu den Erfolgen bei.

Doch ist die Zukunft des Froschkönigs in NRW nach Auffassung des NABU noch keineswegs gesichert. Zu groß ist noch die Abhängigkeit von der Pflege durch Naturschutzgruppen und zu gravierend sind noch immer die Belastungen unter denen die vielfach isolierten Vorkommen stehen. Trotz rückläufiger öffentlicher Fördermittel für die Finanzierung der Anlage neuer Biotope und des Ankaufs weiterer Flächen will der NABU aber keineswegs aufgeben. Ein neue Broschüre, ein Faltblatt, Kinowerbung und der Internetauftritt soll jetzt im internationalen Jahr des Frosches neuen Dampf in das Laubfroschschutzprojekt bringen. Bestellt werden können die Materialien bei der NABU-Naturschutzstation Münsterland (0251-9879953, info@nabu-station.de).