NABU-Naturschutzstation testet neuen Naturerlebnispfad in der Davert
Faszinierende Falter-Führung im Schmetterlingswald
Scheinbar schwerelos flattern sie durch die lichte Davert – zahlreiche, schöne und zum Teil seltene Schmetterlinge. Insgesamt sind über 30 Arten bekannt. Deshalb wird die Davert auch Schmetterlingswald genannt. Einige Falter tragen unverwechselbar als markante Kennzeichen einen Buchstaben auf ihren Flügeln, etwa ein „C“ oder ein „W“. Davon konnten sich die Teilnehmer der NABU-Exkursion am Sonntag, den 4. Juli, hautnah überzeugen.
Die dreistündige und vier Kilometer lange Tour auf dem zukünftigen Naturerlebnispfad, veranstaltet von der NABU-Naturschutzstation Münsterland, begeisterte Groß und Klein, zumal es auf der neuen Route viel mehr zu sehen gab als erwartet. Über vierzig Naturfreunde aus Münster und dem gesamten Münsterland waren der Einladung des NABU gefolgt, darunter eine Gruppe aus Neuenkirchen, Eltern mit Kindern, Hobbyfotografen, Falterliebhaber und zwei Zoologen der Uni Münster.
Nach einer Einführung durch die Exkursionsleiter und Diplom-Landschaftsökologen Andreas Beulting und Robert Boczki, startete die Wandergruppe mittags auf dem Wanderparkplatz, Ecke Ottmarsbocholter Straße/Zum Klosterholz, nahe Davensberg. Schon am Treffpunkt wurden die Teilnehmer von einer Seltenheit überrascht: Als wolle er die Gruppe zum Auftakt im Schmetterlingswald begrüßen, präsentierte sich auf dem Weg ein Falter von beeindruckender Größe, Farbe und Schönheit, der schon vor langer Zeit Dichter und Denker inspirierte – ein männlicher Großer Schillerfalter! Gespannt verfolgten alle den imposanten Schmetterling, der mit seinem langen, gelben Rüssel Salze aus dem Boden aufsaugte.
Die Wanderung führte mit Keschern, Sammelgläsern und Fachliteratur über blühende Feldwege, bunte Wiesen, durch den artenreichen Wald und am Emmerbach entlang, hier und da begleitet von blau schimmernden Prachtlibellen. Zwischendurch vermittelten die NABU-Experten an mehreren Haltepunkten anschaulich Informationen über Fauna und Flora. Andreas Beulting gab den Teilnehmern praktische Tipps über Pflanzen, die am Wegesrand blühen wie z.B. Johanniskraut, Wegerich und Knoblauchsrauke. Weiterhin konnten Flatterulmen bestaunt werden, mit ihren tropisch und urwaldartig anmutenden, großflächigen Brettwurzeln. Typisch sind für die Davert außerdem Hainbuchen, Birken und Eichen. Das FFH-Gebiet Davert ist das größte zusammenhängende Eichenwaldgebiet in Nordwest-Deutschland und Teil des europäischen Naturerbes NATURA 2000. Andreas Beulting stellte außerdem das geplante Beweidungsprojekt mit Heckrindern und Konikpferden in der Emmerbachaue vor, welches mit Förderung durch die EU und des Landes NRW im nächsten Jahr gestartet wird.
Viele Falter konnten in der Vegetation auf Blüten beobachtet werden. Zur Demonstration fing Robert Boczki weitere Schmetterlinge ein. Neben drei Weißlings-, drei Dickkopf-, drei Bläulings- und zwei Augenfalterarten, konnten sieben Edelfalter bestaunt werden, darunter in größerer Anzahl Raritäten wie Kaisermantel, Kleiner Eisvogel und C-Falter. Die größte Überraschung und Höhepunkt der Exkursion waren aber mehrere Ulmenzipfel-Falter, dessen Vorkommen durch das großflächige Ulmensterben an vielen Orten in Mitteleuropa ganz erloschen ist. Diese seltenen Falter, die sich kurz vor Ende der Tour an einem Waldsaum mit reichlich Ackerkratzdisteln in der Nähe des Emmerbachs zeigten, brachten sogar den Insektenexperten ins Schwärmen: „Weit überregional eine echte Rarität!“. Während der in jüngerer Zeit wieder häufiger werdende C-Falter (Polygonia c-album) auf der Flügelunterseite eine ihm namengebende weiße C-Gravur trägt, verziert den Ulmenzipfelfalter (wissenschaftlich: Satyrium w-album) flügelunterseits deutlich eine weiße W-Zeichnung.
Insgesamt wurden in den drei Exkursionsstunden 18 Tagfalterarten gezählt. „Für die kurze Zeit eine erfreulich hohe Anzahl“, so Robert Boczki. „Das sind fast zwei Drittel aller permanent in der Davert lebenden Tagfalter. Mit aktuell etwa 30 Arten ist die Davert weit überdurchschnittlich gut ausgestattet. In unserer heutigen Kulturlandschaft lassen sich demgegenüber nur mit Mühe mehr als zehn Schmetterlingsarten gleichzeitig finden. Allerdings kamen in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts noch etwa doppelt so viele Tagfalterarten in der Davert vor wie heute, was verdeutlicht wie sehr verarmt die heutige Fauna insgesamt vielerorts ist und ihr nachhaltiger Schutz wichtiger denn je erscheint“, betonte Boczki.
Schöner hätte die ergiebige und vielfältige Erkundungstour, die sich als tatsächlicher Naturerlebnispfad entpuppte, nicht verlaufen können. „Test auf jeden Fall bestanden“, bekundeten alle Beteiligten, die sich auf weitere NABU-Führungen freuen.
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