Klein, aber oho: Wildbienen, wichtige Bestäuber von Pflanzen und Blüten!
„Auf den Spuren der Maja“ im Botanischen Garten
Die Acker-, Erd- und Steinhummel, Kuckuck-, Mauer- und Seidenbiene sind nur einige Arten der zahlreichen Wildbienen-Arten, die bei uns heimisch sind. Die Teilnehmer der NABU-Exkursion „Auf den Spuren der Maja“ im Botanischen Garten in Münster am letzten Samstag, den 26. Juni, sind beeindruckt und entdecken einzigartige Wildbienen, die mitunter so winzig sind, dass sie auf den ersten Blick mit einer Ameise zu verwechseln ist. Cläre Breitsprecher aus Warendorf und Michael Schröder aus Amelsbüren sind eigens zur NABU-Führung nach Münster geradelt. Für den informativen Exkurs in die faszinierende Welt der Wildbienen treten sie gerne kilometerweit in die Pedale, sagen beide.
Exkursionsführer Thorsten Piotrowsky, angehender Landschaftsökologe aus Münster, kennt sich mit Insekten aus. Mit einem Kescher fängt er auf dem botanischen Rundweg geschickt aus der Blütenpracht Bienen ein, die jeweils verschiedene Pflanzen bevorzugen.
Die Teilnehmer erleben einen exemplarischen Eindruck von der Vielfalt an Farben, Formen und Größen der Wildbienen und deren besonderen Fähigkeiten wie zum Beispiel den Pollentransport. Während Bienen ihren Pollen in der Behaarung der Hinterbeine oder der Bauchseite transportieren, sammeln die spärlich behaarten Weibchen der Maskenbienen den Pollen in ihrem Kropf. Die Seidenbiene, spezialisiert auf Korbblüten, ist ein interessantes Objekt für Bioniker. Ihre im Boden angelegten Nester werden mit einem cellophanartigen Häutchen, das sowohl gegen Nässe als auch Pilz- und Bakterienbefall schützt, ausgekleidet. (Die Bionik beschäftigt sich mit der Entschlüsselung von „Erfindungen der belebten Natur“ und ihrer innovativen Umsetzung in der Technik.)
Weltweit sind 19.500 Wildbienenarten bekannt, in Deutschland 560 und in Nordrhein- Westfalen 350. 86 Arten, darunter elf Hummelarten, sind allein im Botanischen Garten nachgewiesen. Während Honigbienen und Hummeln als staatenbildende Insekten Brutpflege betreiben, sorgen die meisten Weibchen von Wildbienen allein für ihre Nachkommen. Sie legen den Pollen und Nektar, manchmal Öle, in Nistkammern an, die sie in lockere Böden gegraben haben. Oder suchen sich dafür vorhandene Hohlräume wie Felsspalten, leere Schneckenhäuser, Löcher in Pflanzenstängeln und Totholz aus. Einige Arten übernehmen als Schmarotzer- und Kuckucksbienen die Vorräte anderer Bienen. Bienenweibchen leben fünf bis elf, Männchen drei bis sieben Wochen.
Wildbienen und Hummeln sind wichtige Bestäuber von Nutzpflanzen, Tomaten, Klee und Obstbäumen und auch von seltenen und gefährdeten Wildpflanzen. „Wegen der bedrohten Honigbiene in der Imkerei durch die Varroa-Milbe und schädliche Umwelteinflüsse ist ein besseres Wissen über die Verbreitung, das Verhalten, den Rückgang und Gefährdung der Wildbienen besonders wichtig“, sagt Piotrowsky. Stirbt die Biene aus, stirbt auch der Mensch, lautet die simple wie sichere Formel.
Die im oberen Steingarten großzügig angelegte Bienennistwand aus Hartholzscheiben, eignet sich hervorragend als Behausung für Wildbienen und ihre nächsten Verwandten, die Lehm-, Weg- und Grabwespen. Die mit 2 bis 10 Millimeter Durchmesser gebohrten Löcher in den Holzscheiben, dienen den Insekten als Nistplatz. Auch die im Frühjahr zur Obstbaumblüte fliegende Rote Mauerbiene (Osmia rufa) nimmt die praktische Nisthilfe gerne an. Das komfortable Bienenhotel ist ebenso ein beliebter Platz für Parasiten, Wespen und Fliegen. „Ein Bienenhaus (Weichholz eignet sich nicht als Bau) kann jeder Gartenbesitzer einfach, aber wirksam auch bei sich Zuhause aufstellen und leistet somit einen Beitrag zum Erhalt der Wildbienen“, empfiehlt der Landschaftsökologe.
Weitere Auskünfte über Wildbienen erteilt die NABU-Naturschutzstation Münsterland e.V. unter http://www.wildbienen-umweltbildung.de oder tel. 02501/9719433.
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