Kranichzug am Himmel über Münster
NABU-Naturschutzstation sammelt Kranich-Beobachtungen
Mit dem aktuellen Wintereinbruch bietet sich dem aufmerksamen Beobachter mit ein bisschen Glück am Himmel über Münster ein faszinierender Anblick: Kraniche ziehen in Gruppen von bis zu mehreren hundert Tieren und in V-förmigen Formationen in ihre Überwinterungsgebiete in Südeuropa und überfliegen dabei auch das Münsterland. Die Kraniche, die zu den größten und eindrucksvollsten Vögeln überhaupt gehören, machen dabei mit lauten trompetenartigen Rufen auf sich aufmerksam.
Für die Erfassung ihrer Zugroute sucht die NABU-Naturschutzstation Münsterland e.V. Hinweise auf Kranichschwärme im Münsterland. Dazu gehören Angaben wie Ort und Uhrzeit der Beobachtung, Flugrichtung, Anzahl der Tiere und Wetterlage. Ziel der Erfassung ist es, den genauen Verlauf des Kranichzugs über dem Münsterland zu bestimmen und zu ermitteln, ob sich die Anzahl der Tiere verändert. Sie ist Teil einer bundesweiten Erfassung des NABU und wird vom Kranich-Informationszentrums Groß Mohrdorf, das vom NABU, dem World Wildlife Found (WWF) und der Deutschen Lufthansa AG getragen wird, ausgewertet.
Vermutlich gibt es immer mehr Tiere auf der sogenannten westlichen Zugroute, die von den Brutgebieten in Mitteleuropa, Skandinavien, dem Baltikum, Finnland und Weißrussland zu den Winterquartieren in Südwestfrankreich, Südwestspanien und Nordafrika führt. Der Grund dafür sind ausgezeichnete Zug- und Rastbedingungen der Strecke mit ihrem milden Klima und einer guten Nahrungsverfügbarkeit. Dagegen sind für die Ostroute von den Sommerquartieren in Finnland, dem Baltikum, Polen und Weißrussland über Ungarn nach Nordostafrika nur geringe Veränderungen bekannt.
Langjährige Schutzbemühungen haben dazu beigetragen, dass es mit dem Kranich seit einigen Jahren wieder bergauf geht. Nachdem 1972 der Kranich in Deutschland so gut wie ausgestorben war, leben heute rund 5000 Kranichpaare in den verbliebenen Bruchwäldern, Feldsöllen und Auen Nord- und Mitteldeutschlands. Das künftige Schicksal der weitaus größeren Kranichpopulationen in Skandinavien, Polen und den baltischen Staaten wird unmittelbar davon abhängen, ob ihre Rastplätze zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten als überlebensnotwendige Trittsteine erhalten bleiben.
Mit etwa 120 Zentimetern Größe und ihrer Flügelspannweite von 220 Zentimetern sind Kraniche die größten Zugvögel. Ihr Gefieder ist aschgrau mit schwarz-weißer Kopfzeichnung und roter Scheitelplatte. Besonders markant sind ihre langen Beine, ihr langer Hals und ihre Schleppe, wie die über den kurzen Schwanz herabhängenden Federn heißen. Die Vögel schlafen stehend in flachen Gewässern. Von Mitte Februar an kehren sie in ihre Sommerquartiere in feuchten bis nassen Flächen wie Hochmooren und Feuchtwiesen zurück. Unmittelbar nach ihrer Rückkehr beginnen die Balztänze der Kranichpaare, die sich ein Leben lang treu bleiben. Im April legen die Weibchen in von Wasser umgebenen Nestern ein bis zwei Eier. 30 Tage später schlüpfen die Jungvögel. Sie können mit etwa zehn Wochen fliegen. Nach einigen Monaten lösen sie sich aus dem Familienverband und schließen sich in ihren ersten beiden Lebensjahren sogenannten Junggesellentrupps an. Ab dem dritten Lebensjahr gehen sie auf Partnersuche.
Wer einen Kranichtrupp gesehen oder gehört hat, kann die NABU-Naturschutzstation Münsterland e.V., Westfalenstraße 490 48165 Münster Telefon: 02 501 - 9 71 94 33 Fax: 02 501 - 97 19 438 E-Mail: kranichzug@NABU-station.de, informieren. Weitere Informationen zu Kranichen stehen auf der Homepage des Kranich-Informationszentrums Groß Mohrdorf www.kraniche.de.
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