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Der Laubfrosch (Hyla arborea)

Der Laubfrosch ist in unseren Breiten eigentlich unverwechselbar. Dennoch wird mancher Wasserfrosch von Laien als Laubfrosch angesehen. Aufgrund seiner Kennzeichen und der Lebensweise unterscheidet er sich aber deutlich von allen anderen heimischen Amphibienarten.

Kennzeichen und Lebensweise


Der Laubfrosch (Hyla arborea) ist die einzige Baumfroschart in Mitteleuropa. Mit seinen Saugnäpfen an den Zehen kann er nicht nur in seinem Landlebensraum – den Bäumen, Hecken, Sträuchern und Staudenpflanzen – herumklettern, sondern sogar glatte Fensterscheiben emporklettern. Mit seiner lackgrünen, im Gegensatz zu anderen Froscharten glatten Haut ist er auf Laubblättern sehr gut getarnt. Kennzeichnend für den Laubfrosch ist der schwarze Flankenstreifen, der von der Nasenöffnung bis zur Hinterhüfte reicht. Am ehesten entdecken lässt sich der Laubfrosch in der von April bis Mitte Juni dauernden Laichzeit an den Laichgewässern. Hier beginnen die Männchen an warmen Abenden nach Einbruch der Dunkelheit mit den charakteristischen Froschkonzerten, die einem schönen Maiabend in der münsterländischen Parklandschaft einen ganz besonderen Flair verleihen. Erkennbar sind seine Rufe an einem gleichmäßig vorgetragenen „epp, epp, epp...“, die in größeren Rufgemeinschaften aber als regelrechtes Schwirren in der Landschaft wahrgenommen werden können.

Dank der beim Rufen aufgeblähten Schallblase kann der Laubfrosch Artgenossen aus einem Umkreis von bis zu 2 km auf ein attraktives Laichgewässer aufmerksam machen. Hierdurch ist er an seinen in der Naturlandschaft bedeutendsten Lebensraum – die sich ständig verändernden Flussauen – angepasst. Seine im Vergleich zu anderen Amphibienarten wesentlich höhere Mobilität ermöglicht es ihm, neu entstehende Lebensräume rasch zu besiedeln.

Der Laich des Laubfrosches ist im Gegensatz zum Laich anderer Frosch- und Krötenarten nur schwer zu entdecken. Die nur walnussgroßen Laichballen werden an der Ufer- und Unterwasservegetation angeklebt. Die einzelnen Eier weisen einen weißen Kern auf.

Innerhalb weniger Tage schlüpfen aus den Eiern Kaulquappen. Erkennungsmerkmale sind neben dem ausgeprägten Schwanzflossensaum die typische Augenstellung. Die Kaulquappen sind mit ihrer Schwanzflosse schnelle Schwimmer und halten sich häufig im freien Wasserkörper auf, suchen bei Gefahr aber rasch die schützende Unterwasser- und Ufervegetation auf. Dennoch sind sie hier für die viel zu häufig in die Laichgewässer eingesetzten Fische eine leichte Beute.

In Abhängigkeit von der Erwärmung der Flachwasserzonen vollzieht sich die Entwicklung  der Kaulquappen mehr oder weniger schnell. Bereits nach etwa vier Wochen können unter günstigen Bedingungen die ersten an Land gehenden Jungfrösche beobachtet werden. Sie halten sich zunächst im Uferbereich, in Hochstaudenfluren, Feuchtwiesen und Brombeerdickichten auf, wo sie bei günstiger Witterung rasch heranwachsen und sich einen Fettvorrat für den Winter anfressen. Die Winterquartiere befinden sich an geschützten Plätzen in Erdhöhlen, unter Baumwurzeln oder Erd- und Misthaufen.





Laubfroschlarve

Laubfroschlarve kurz vor der Metamorphose.

Rufener Laubfrosch. Foto: F. Grawe

 

Lebensräume des Froschkönigs

Die Lebensräume des Laubfrosches sind ein Spiegelbild des Münsterlandes mit seinen von Hecken, Feldgehölzen und Kleingewässern durchsetzten Wiesen und Weiden. Er kann daher auch als eine Charakterart der Münsterländischen Parklandschaft bezeichnet werden. Nur wenige Arten sind so typisch für die Region, wie der Laubfrosch.

Weidetümpel mit geringen Wasserstandsschwankungen sind für den Laubfrosch besonders geeignet.

Gute Lebensbedingungen, in der der Nachwuchs möglichst gefahrlos groß werden kann und mit den notwendigen Lebensbedürfnissen versorgt ist, sind eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung einer nächsten Generation. Auch beim Laubfrosch ist die „gute Kinderstube“ der Schlüssel für das Überleben seiner Art. Dabei handelt es sich zumeist um kleinere bis mittelgroße Laichgewässer, an die er hohe Ansprüche richtet: Die für Kaulquappen gefährlichsten Feinde, die Fische, dürfen nicht im Fortpflanzungsgewässer vorkommen. Zudem benötigen die Kaulquappen für ihre Entwicklung wärmere Wassertemperaturen als viele andere Amphibien in unseren Breiten. Daher müssen die Gewässer ausreichend große, sonnig gelegene und nicht zu dicht bewachsene Flachwasserbereiche aufweisen. Und schließlich sind die Laubfroschlarven empfindlich gegen Umweltgifte und Nährstoffeinträge in das Gewässer. Die Lage der Gewässer in nicht zu stark gedüngten Wiesen- und Weidegebieten oder anderen nicht bzw. wenig landwirtschaftlich genutzten Flächen ist aufgrund der besseren Abpufferung von Einschwemmungen meist unverzichtbar.

Die jährliche Laichzeit findet von Mitte April bis Anfang Juni statt. Orientiert an den lauten Rufen der früher eintreffenden männlichen Tiere, wandern die aus den Winterquartieren kommenden Weibchen die Laichbiotope an. Große Laubfroschchöre versprechen dabei besonders attraktive Reproduktionsbedingungen, testeten diese doch bereits das Milieu des Gewässers. Die walnussgroßen Laichballen werden bei der Paarung an krautige Wasserpflanzen geklebt. Die nach wenigen Tagen aus den 150-300 Eiern schlüpfenden Kaulquappen verbringen 65 bis 80 Tage bis zu ihrer Metamorphose zum schwanzlosen und mit Lungen atmenden Jungfrosch im Gewässer. In dieser Zeit sind sie trotz ihrer großen Schnelligkeit stark gefährdet. Für Wasserkäfer und Libellen sind sie eine begehrte Beute, doch vor allem Fische können den Nachwuchs eines Laichbiotops vollständig auslöschen. Oft auch in deckungsarmem Wasserraum schwimmend und nicht mit einem schlecht schmeckenden Sekret ausgestattet, sind sie in ihrer Ökologie an natürlicherweise fischfreie Gewässer der Flussauen und Weidelandschaften angepasst. Ein flacher Altarm oder Tümpel, der im Spätsommer austrocknet oder im Winter vollständig durchfriert und daher schlechtere Überlebensbedingungen für die Feinde der Laubfroschkaulquappen bietet, ist daher ein idealer Biotop.

Während der Sommermonate verlagern die jungen Frösche ihren Lebensmittelpunkt mehr und mehr in sonnenbeschienene Gehölze in Hecken und Waldrändern. Besonders Brombeergebüsche haben für sie eine hohe Attraktivität, da sie nicht nur Insektennahrung, sondern mit ihrem Rankennetz auch einen bereits auf leichte Bewegungen reagierenden Warnmechanismus bei der Annäherung von Feinden bieten. Beim Sonnen kann man sie hier gut beobachten. Durch die verschließbaren Schleimdrüsen sind sie dabei gut für das stundenlange Sonnenbad gewappnet. Bis zum Winter müssen sich die Frösche in diesem Lebensraum möglichst große Fettreserven anfressen, damit sie die Überwinterung in ihren Verstecken (z.B. Erdlöcher, Baumhöhlen, Laubhaufen) überleben können. Daher können in den extensiv genutzten und somit insektenreichen Lebensräumen eine größere Zahl junger Frösche die Winterruhe überstehen und fit in die kommende Laichsaison gehen.

Alle Teillebensräume müssen in einem Gebiet vorhanden sein, damit Laubfrösche dort leben können. Dies ist in der Landschaft des Münsterlandes besonders häufig der Fall.  

 Münsterländische Parklandschaft. Foto: B. Stephan

 

 

 

 

 

 

 

  Feuchtwiesen in der Dingdener Heide. Foto: H. Glader              


Der Laubfrosch als Garant für biologische Vielfalt

Fokussiert auf den Schutz des Laubfrosches dienen Naturschutzmaßnahmen im Rahmen des Projektes „Ein König sucht sein Reich“ nicht nur dem Überleben einer Art. Auch die Bewahrung der Artenvielfalt verschiedener Lebensgemeinschaften, die durch die Lebensraumansprüche des Laubfrosches repräsentiert werden, kann durch das Artenschutzprojekt erreicht werden.

Durch die Erhaltung und Wiederherstellung von Laichgewässern für den Laubfrosch bekommen auch Kammmolche, selten gewordene Libellenarten (z.B. Kleine Pechlibelle, Glänzende Binsenjungfer, Südliche Binsenjungfer) oder Wasserkäfer eine neue Überlebenschance.

Mit dem Schutz extensiv bewirtschafteter Feuchtwiesen profitieren Orchideen, Sumpfschrecken, Grasfrösche oder bodenbrütende Vogelarten von den Schutzmaß-nahmen. Der Einsatz amphibienfreundlicher Mahdme-thoden lässt Amphibien und Schlangen in den Wiesen eine bessere Überlebenschance. Mit dem Anwachsen von Amphibienbeständen steigt das Nahrungsangebot für die Ringelnatter.

Durch die Pflege von Hecken, Waldrändern und die Einrichtung extensiv genutzter Weidelandschaften werden auch Fledermäuse, Dorngrasmücke, Nachtigall, Neuntöter und Wildbienen geschützt.

Schließlich tragen alle Maßnahmen gemeinsam dazu bei, dass nahrungsreiche Jagdreviere für Großvögel (z.B. Rohrweihe, Rotmilan) und Säugetiere (Dachs, Fuchs) wieder entstehen können.

 

Kammmolch. Foto: F. Grawe
Kleewidderchen.
Breitblättriges Knabenkraut. Foto: B. Stephan

 

Weibchen des Neuntöter. Foto: H. GladerSumpfschrecke. Foto: F. GraveLibellen auf Schwimmblattvegetation.Vierfleck-Libelle.          



Gefährdungen für den Froschkönig und sein Gefolge

Vermehrt seit den 1970er Jahren wurden alarmierende Untersuchungen bekannt: Neben vielen anderen Arten hatte auch der vermeintlich massenweise vorkommende Laubfrosch dramatische Bestandseinbrüche hinnehmen müssen, die mit seinem großräumigen Verschwinden aus der Landschaft verbunden waren.

Regional waren bis zu 90% aller Kleingewässer und Hecken verschwunden, Feuchtgrünland wurde über Vorfluter und Drainagen entwässert und in Acker umgewandelt, die meisten der verbliebenen Gewässer durch Pestizide, Gülle, Kunstdünger und Müll vergiftet oder sie waren aufgrund der inzwischen fehlenden Bedeutung als Viehtränke mit Gehölzen zugewachsen. Die Umwandlung von Gewässern zu Fischteichen oder das Einsetzen überzähliger Fische in Feuchtbiotope gaben der durch die Laubfrösche vertretenen Artenvielfalt den Rest.

Es wurde rasch deutlich, dass es für den Laubfrosch in unserer Landschaft bereits bald zu spät sein konnte. Der Laubfrosch gelangte bundesweit und in Nordrhein-Westfalen auf die Rote Liste, erste Initiativen bildeten sich, die sich um den gezielten Schutz und die Erforschung seiner Ökologie verdient machten. So war zuvor übersehen worden, dass der Laubfrosch längst nicht überall dort, wo er im Frühjahr zu hören war, sich auch tatsächlich vermehren konnte. Wurde eine wichtige Reproduktionsstätte des grünen Hüpfers zerstört, so konnte der fehlende Zuzug von Jungfröschen auch das Ende der Bestände an benachbarten, weniger günstige Lebensbedingungen bietenden Gewässern bedeuten. Daher traf den Laubfrosch der Landschaftswandel noch härter als viele andere Amphibien.

Die Kleingewässeraktion der 1980er Jahre verschaffte dem Laubfrosch durch Gewässerneuanlagen eine kleine Atempause. Viele Gewässer wuchsen wegen fehlender Beweidung und Pflege aber rasch zu. Erst die im Feuchtwiesenschutzprogramm des Lands NRW und lokal auch die über die Landschaftspläne angelegten Gewässer schafften beständigere Rückzugsräume. Doch wissenschaftliche Untersuchungen belegten, dass die stark isoliert voneinander vorkommenden Populationen langfristig nur eine geringe Überlebenschance haben würden.

Auf der Grundlage des von der damalige Landesanstalt für Ökologie (heute LANUV) entwickelten Artenschutzprogramm „Laubfrosch“ rief der NABU daher im Jahr 1998 mit Unterstützung des Landes und seiner Fachinstitutionen sowie vielen im Amphibienschutz aktiven Gruppen und Biologischen Stationen das Artenschutzprojekt „Ein König sucht sein Reich“ ins Leben. 
 

Zugewachsenes Gewässer.
Verlandete Gewässer trocknen oft bereits im Juni aus - zu früh für die Entwicklung des Laubfrosches und des Kammmolches.
Die Entwässerung der Feuchtgebiete hat viel Schaden auch für den Laubfrosch angerichtet.
Das Einsetzen von Fischen - etwa aus dem überbevölkerten Gartenteich oder nach einer kindlichen Angelaktion - hat so mancher Laubfroschpopulation den Garaus gemacht.

Viele Wasserflächen in den Wiesen und Weiden wurden in der Vergangenheit verfüllt.